Peter Brokmeier
Forschung
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Forschung


Wissenschaften sind eigentlich Kompendien des Lebens; sie bringen die äußern und inneren Erfahrungen ins Allgemeine, in einen Zusammenhang.“ (Goethe)

 

Forschungsfragen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Subjektive Neigungen, die eine oder andere Begabung und Veranlagung, auch die Begegnung mit einem akademischen Lehrer und die daraus entspringende Beeinflussung – dies alles und manches andere mehr hat sicherlich sein jeweiliges Eigengewicht. Aber es reicht nicht aus, um ein wissenschaftlich ergiebiges Arbeitsfeld zum Leben zu erwecken und zwar so, dass es jederzeit offen bleibt für Vertiefung und Veränderung. Entscheidend für diesen Vorgang bleiben diejenigen Erfahrungen, die der Betreffende in den Jahren seiner Kindheit und Jugend als etwas zutiefst Prägendes gemacht hat. Freilich sind diese Erfahrungen von jener Sorte, der man sich in actu nicht bewusst ist, sondern die einem erst im Rückblick, älter werdend, deutlicher vor Augen treten.

In meinem Fall ist es die Erfahrung als Kind deutscher politischer Emigranten in Frankreich, die mich, nach dem Übergang ins Erwachsenenalter, das hat finden lassen, was ich mein Lebensthema nennen möchte und was sich nach und nach – im universitären Raum – als die zentrale Forschungsfrage entpuppte, die meiner Arbeit als Hochschullehrer bis heute zugrundeliegt. Das ist die Frage nach den Ursachen und Folgen der destruktiven Bewegungsformen der Politik im 20. Jahrhundert. Dass damit die philosophische Frage nach dem Wesen der Politik unabweisbar ist, liegt auf der Hand.

Beim philosophischen Fragen kommt es indes darauf an, die jeweilige Frage als Frage auf besondere Weise ernst zu nehmen. Um das zu verdeutlichen, bediene ich mich eines Gedankens von Martin Heidegger. In seinem Kunstwerk-Aufsatz von 1935/36 heißt es an einer Stelle, dass „die Frage nach dem Wesen der Kunst...erst wieder auf einen Grund gebracht werden“ solle, mithin einer Antwort bedürfe, was dann näher erläutert wird. Ersetzt man das Wort „Kunst“ durch „Politik“, liest sich die Erläuterung so: „Die Frage nach dem Wesen der Politik, der Weg des Wissens von ihr, soll erst wieder auf einen Grund gebracht werden. Die Antwort auf die Frage ist wie jede echte Antwort nur der äußerste Auslauf des letzten Schrittes einer langen Folge von Frageschritten. Jede Antwort bleibt nur als Antwort in Kraft, solange sie im Fragen verwurzelt ist.“>


In diesem Sinne war und ist die Entwicklung meiner Forschungsschwerpunkte im Rahmen der Politischen Philosophie nichts anderes als eine „lange Folge von Frageschritten“. Im Hinblick auf den zeitlichen Ablauf lassen sich dabei, je nach vorherrschender Fragerichtung, verschiedene Forschungswege unterscheiden. Zu ihrer Kennzeichnung mag es an dieser Stelle genügen, die Themenbereiche wie auch die Namen der für mich wichigsten Autoren zu nennen, in deren Werk ich forschend einzudringen versuchte, um in der genannten zentralen Frage voranzukommen.

Anknüpfend an jene praktisch-politischen Erfahrungen im Jugendalter waren es zunächst geschichts- und politiktheoretische Probleme des Marxismus und des Sozialismus, die für relativ lange Zeit im Mittelpunkt meines Forschungsinteresses standen. Erweitert wurde dieser Fokus durch die intensive Beschäftigung mit der antiken politischen Theorie, vor allem mit Aristoteles. Hinzutraten zeitweise Rousseau, Kant und Hegel auf der einen Seite, Spinoza, Machiavelli und Clausewitz auf der anderen Seite. Mitte der 1980er Jahre begann dann eine Forschungs-Phase, für die die beiden Namen Hannah Arendt und Ernst Jünger stehen. Ein wichtiger Seitenweg war in diesem Zusammenhang der Rückgriff auf das politische Denken des Dante Alighieri. Wenn Hannah Arendt einmal gesagt hat, dass es ihr darauf ankomme, zu begreifen, „was Politik eigentlich ist und mit welchen Grundbedingungen menschlichen Daseins das Politische zu tun hat“, dann ist es naheliegend, die Daseinsanalytik ihres philosophischen Lehrers Martin Heidegger wie auch dessen späteres Seinsdenken daraufhin zu befragen, ob und inwieweit das eine wie das andere geeignet ist, das Arendtsche Programm zu verlebendigen und in eine Antwort zu überführen, die „im Fragen verwurzelt“ bleibt. Damit sei der gegenwärtige Schwerpunkt meiner Forschungsarbeit umrissen.



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